Auf Socken im Museum

Das für die kommenden Tage angesagte Wetter schreit ja geradezu nach einem Museumsbesuch. Sparfüchsen empfehle ich, mittwochs die Pinakothek der Moderne zu besuchen: Seit der Wiedereröffnung nach der Renovierung zahlt eine in der Stadt ansässige Versicherung den Eintritt für alle, sehr nett, danke! Das Gebäude ist nach wie vor ein Hingucker und auch die gerade laufenden Ausstellungen haben mir gefallen. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war die Aufforderung, beim Besuch von „Afritecture“ die Schuhe auszuziehen. Nach kurzem Überdenken meiner Sockenlage (ein Paar meiner Schuhe, oh Gott, es waren die, die ich anhatte, ernährt sich von Baumwolle) stopfte ich die Treter in eine Papiertüte, die ich dann an den schönen Skizzen und Fotos zu ungewöhnlichen Bauten in verschiedenen afrikanischen Regionen vorbeitrug (mein Lieblingsprojekt ist die schwimmende Schule) und über sie hinweg. Denn die Ausstellung findet an der Wand und auf dem Boden statt – auf Pappe, die Stellwände und Unterlage bildet. Ein ganz neues Gehgefühl ist das, in etwa so, als würde man auf Tatami-Matten laufen.

 

Weiter ging’s zu Andy Warhols Zeichnungen, die sehr zart sind, mich aber zum Teil an Illustrationen in Mädchenbüchern aus den 70er-Jahren erinnerten. Beeindruckt war ich von der Wormland-Sammlung, da sind wirklich ziemlich viele hochkarätige Künstler versammelt. Eine Entdeckung für mich war Bernard Schultze, ein lyrisch-abstrakter Maler (so Wikipedia), von dem ich bis dahin noch nie etwas gehört oder gesehen hatte. Vor allem seine „Migofs“, das sind aus Hasendraht geformte Skulpturen, die mit bemalter Leinwand überzogen sind, haben es mir angetan: Vielleicht fange ich ja doch wieder mit Objektkunst an. Die marokkanischen Teppiche hingen ein wenig verloren in der obersten Etage. Ihre Farben sind tatsächlich fantastisch und ja, fotografiert und mit Abstand betrachtet, könnten es Rothkos sein, aber mehr an Inhalt ist da nicht – finde ich zumindest. Spektakulär hingegen ist immer wieder der Blick von der zweiten Etage auf das Eingangsforum. Ab und zu stehen dort Skulpturen, die aber kurz darauf wieder verschwinden oder durch andere ersetzt werden – ein Kommen und Gehen ist das, wahrscheinlich eine Anspielung auf das „echte“ Leben. Oder was sonst mag sich die Künstlerin dabei gedacht haben?

 

Ach ja, die Schuhe hatten wir natürlich direkt bei Warhol schon wieder an. Das nächste Mal ziehen wir aber die ganze Zeit auf Socken durchs Museum, als Performance!

6 Gedanken zu “Auf Socken im Museum

  1. Das ist ja sehr freundlich von dieser Versicherung (die gleiche die auch für den örtlichen Kickerverein ein Stadion gebaut hat, glaube ich). Steht fest auf meinem Plan für die kommenden düsteren Zeiten…

      • Ehrlich gesagt stopfe ich manchmal Socken, aber wenn schon die ganze Ferse rausschaut….abandon all hope!
        War eine nette Überraschung, dich in der S-Bahn zu treffen.

        • Ich glaube, ich hae zum letzten Mal mit 16 Socken gestopft, womöglich im Handarbeitsunterricht, den ich damals erdulden musste (habe mir erst danach alle Techniken selbst angeeignet). Ich habe mich auch gefreut, dich zu sehen – ich hoffe, du hattest einen schönen Abend. Beim Atmen war’s mal wieder unglaublich befreiend – ich fange schon am Pasinger Bahnhof immer an zu gähnen 🙂

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