Gebrannte-Mandeln-Eldorado

Kirmesveranstaltungen galten in meiner Heimatstadt als die Highlights des Jahres. Als Kinder waren wir an den Karussells, Losbuden, Liebesäpfeln und Gebrannten Mandeln interessiert, als Jugendliche an angesagten Fahrgeschäften wie der Raupe (mit Verdeck ganz zum Schluss und in der Sitzreihe zusammengedrückt werden), dem Musikexpress (dort hingen die coolsten Jungs und Mädels ab – an die ich mich heute komischerweise nicht mehr erinnere), an Liebesäpfeln und Gebrannten Mandeln, als junge Erwachsene an, äh, gemeinsam eine Runde drehen und Gebrannten Mandeln. Die logische Schlussfolgerung: Gebrannte Mandeln sollte es immer geben! Deshalb war meine Begeisterung riesig, als ich bei meiner Ankunft in München einen Stand am Marienplatz (unter dem Vordach des Kaufhofs) entdeckte, der sie wirklich von Montag bis Samstag frisch anbietet. Bei so viel Gelegenheit verliert sich aber schlagartig das Interesse. Und ich erinnerte mich plötzlich auch an das größte Vergnügen beim Essen von Gebrannten Mandeln: sich eine Tüte davon mit anderen zu teilen. Die Freude steigert das beträchtlich und den Genuss ebenso.

 

Trotzdem dachte ich, ich gehe mal in die Stadt und fotografiere diesen besonderen Gebrannte-Mandel-Stand, wer weiß, vor den vielen Veränderungen sind ja selbst alte Institutionen nicht mehr sicher. Ich rollte die Fußgängerzone vom Karlsplatz aus auf und konnte „Gebrannte-Mandeln-Standl-Hopping“ betreiben: Nur eine Maronibude unterbrach den süßen Flow. Und jetzt beginnt auch noch die Weihnachtsmarkt-Saison, da gehören Gebrannte Mandeln ebenfalls zum Programm. Für alle, die von Gebrannten Mandeln nie genug bekommen können, aber in den letzten Tagen der November-Tristesse nicht aus dem Haus oder an dem ein oder anderen Abend etwas Süßes schlickern wollen, hätte ich was: Gebrannte Mandeln lassen sich auch auf dem eigenen Herd in recht kurzer Zeit anrühren. Dazu 70 g Zucker mit 3 EL Wasser und je nach Geschmack mit Zimtpulver, Lebkuchen- oder Spekulatiusgewürz in einer Pfanne verrühren, fein ist auch etwas Vanillezucker, und 100 g Mandeln dazugeben. Bei starker Hitze unter Rühren aufkochen: Dabei verdampft das Wasser und der Zucker karamellisiert. Zuvor wird der Zucker jedoch trocken und bröckelig – jetzt nicht die Nerven verlieren, sondern weiterrühren. Dabei gilt es, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, bei dem er wieder anfängt zu schmelzen, er leicht uneben die Mandeln umschließt, aber nicht verbrennt. Dazu die Temperatur ein wenig runterfahren bzw. die Pfanne vom Herd nehmen. Die Mandeln ziemlich direkt auf Backpapier umfüllen, das zuvor z.B. in eine Auflaufform gegeben wurde. Bei der ganzen Prozedur NIEMALS den Zucker vom Löffel ablecken, der ist gefährlich heiß, und auch Kinder nicht in die Nähe der Pfanne kommen lassen. Die selbst gemachten Gebrannten Mandeln abkühlen lassen, dann wird der Karamell knackiger.
Auf meinem Rückweg zur U-Bahn fand ich auf dem Sendlinger Weihnachtsmarkt diesen netten Namen an einer der Buden. Und jetzt alle: „In der …“

 

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