Art spotting

Einmal im Jahr zeigen Kunststudenten der Münchner Kunstakademie ihre Werke. Das ist auch eine gute Gelegenheit, sich mal die Kunstakademie und die wunderbaren Atelierräume von innen anzusehen. Wäre eines der Ateliers meins, ich würde wahrscheinlich Wochen damit zubringen, die Wendeltreppe in die höher gelegene Galerie zu fotografieren – vielleicht ist das aber auch nur mein momentaner Spleen. Die Bandbreite der Werke ist riesig, und wie immer habe ich ein Problem mit Installationen, die mir ohne Hintergrundwissen nicht zugänglich sind und auch kein „Gefühl“ in mir erzeugen. Manche hielt ich für eine reine Ansammlung von Müll. Immer wieder fasziniert bin ich von Künstlern, die das Talent besitzen fotorealistisch zu malen, das haut mich einfach um. Andere Bilder sprechen mich aufgrund ihrer Farbgebung an – meine Begleiterin hatte sich passend zu einer Bildserie gekleidet –, oder weil sie etwas in mir anrühren. Einen „Angriff“ auf den Riechsinn gab es in einem der Räume: Kurzzeitig musste ich daran denken, wie in manchen Geschäften inzwischen versucht wird, uns per Duft zu verführen. Den Geruch hier siedelte ich irgendwo zwischen schokoladig-minzig an, aber auch ein Hauch Zahnarztpraxis war dabei, was eher unbehaglich war. Ein Blick in das Waschbecken des Ateliers lieferte die Lösung: Die Bilder, auf Glas- oder Plexiglas-Untergrund und an die Wand gelehnt, waren mit Zahnpasta gemalt. Ein interessanter Effekt, zumal die „Farbe“ beim Trocknen bröckelt und die Reste den Boden bekrümeln.

Für das leibliche Wohl hatten die Studenten übrigens auch gesorgt: Neben Super-Broten (was immer das war, wir haben’s nicht getestet) und Brownies gab es wunderbare kleine Obsttörtchen und die Erfahrung, wie sehr ein Glas Wasser gewinnt, wenn eine dicke, fette, knallrote Johannisbeerenrispe lässig an seinem Rand hängt. Überhaupt, Inspiration: Neben der Installation „Titos Garage“ stand ein Möbelset, Bank, Sessel, Tisch, das aus allerlei Restholz zusammengebaut war. Etliche Besucher/innen fühlten sich in ihrer Heimwerker-Lust gekitzelt und ich bin mir ziemlich sicher, dass in dem ein oder anderen Garten dieses Upcycling-Projekt verwirklicht wird, zumal es sich darauf wunderbar bequem saß. Wer selbst eine Sitzprobe machen und sich künstlerisch oder auch kulinarisch beflügeln lassen möchte, hat noch dieses Wochenende in der Akademiestraße 2, 11-22 Uhr, Gelegenheit dazu.

2 Gedanken zu „Art spotting

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