Das eherne (ostwestfälische) Apfelstrudelgesetz

Letztens stehe ich in einem Café hier im Ort und bestelle einmal Mandarinenschmand, einmal Philadelphiatorte. Während die eine Verkäuferin die Stücke für mich von den Torten in der Auslage abschneidet, fragt die andere eine weitere Besucherin nach ihren Wünschen.
„Zweimal Apfelstrudel zum Mitnehmen.“
Ich horche auf, weil das so an Bayern erinnert. Gleichzeitig überlege ich, wie Apfelstrudel zum Mitnehmen verpackt werden würde. Verkäuferin Nr. 2 antwortet da aber schon: „Tut mir leid, den haben wir im Moment nicht.“
„Nicht?“ fragt die Dame, die ihn voller Vorfreude bestellt hat.
„Nö, weil …“, die Verkäuferin formt ihre Hände etwa golfballgroß, „ … der Boskop jetzt erst ungefähr so ausssieht.“
„Boskop?“
„Ja, wir machen unseren Apfelstrudel nur mit dieser Sorte und ausschließlich ab Herbst. Die ist jetzt noch nicht so weit, das dauert noch.“
„Sie haben Apfelstrudel nicht auf Vorrat?“, wird zurückgefragt.
„Nein!“, da schwingt Empörung mit. „Nur frisch!“
„Noch nicht einmal eingefroren?“
„Wie gesagt: Nur frisch, in der Saison!“, kommt mit deutlicher Ungeduld im Ton über so viel Begriffsstutzigkeit zurück.
Die Dame geht, schwer enttäuscht, dass hier regional und saisonal anscheinend ernst genommen wird. Ob sie wohl im Herbst wiederkommt?
Ich nehme mir jedenfalls vor, in ein paar Monaten diesen Apfelstrudel zu probieren.
Im Café. Womöglich mit Vanillesauce (weder regional noch saisonal, vermute ich).

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