Ich seh’ den Sternenhimmel …

Wenn selbst die NASA ein astronomisches Ereignis als „jaw-dropping event“ bezeichnet, wird meine Neugier geweckt: Gestern küssten sich – sozusagen – Venus und Jupiter am westlichen Abendhimmel. Eine derartige Annäherung der beiden Planeten, aus Erdensicht, kommt höchst selten vor. Zwar war das Schauspiel auch mit bloßem Auge zu erkennen, aber ich dachte, das sei doch mal der perfekte Anlass für einen Besuch der Volkssternwarte, die einem das ganze mit ihren Teleskopen noch ein bisschen näherbringt. Eine ebenfalls astronomisch interessierte Freundin kam spontan mit und so fanden wir uns ab 21 Uhr über den Dächern von München auf der Plattform von Turm 4, einem ehemaligen Hochbunker, wieder. Zuerst ergötzten wir uns an der Aussicht – Mond über Neuperlach mit Alpenpanorama im Hintergrund –, um dem Erdtrabanten dann durch verschiedene Teleskope bis in seine Krater zu blicken.


Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Sternwarte – die man mit jeder Menge Fragen löchern durfte – zeigten uns auch das Tête-à-tête von Jupiter und Venus: Er hatte seine vier Monde dabei, sie kleidete sich in Halbschatten. Je dunkler es wurde, umso heller die Leuchtpunkte am Firmament: Mit dem größten Teleskop konnten wir sogar einen Blick auf Saturn werfen, dessen Ring deutlich auszumachen war. Als Laie stand ich natürlich etwas ratlos, aber auch ehrfürchtig, vor weiteren Highlights wie Vierer-Stern-Gebilden, das sind weit entfernte Sonnen, von denen sich je zwei umkreisen und die als Pärchen dann noch einen Gemeinschaftstanz aufführen. Doch so ein ziemlich direkter Blick ins Universum in dieser lauschigen Nacht war ein ganz großartiges Erlebnis, und auch der interessant verbaute Blick auf München und eins seiner Wahrzeichen, winzig klein in einer Art Architekturrahmen, hatte was.

Genussjodelwandern

Oder muss es Jodelwandergenuss heißen? Egal, mit netten Leuten in die Berge zu gehen und zu singen, macht einfach große Freude. Der famose Dr. Erich Sepp hatte am vergangenen Sonntag mal wieder zum Jodeln und Wandern eingeladen, diesmal am Taubenberg bei Oberwarngau. Ich fuhr husch, husch mit der BOB vom Münchner Harras aus nach Holzkirchen, wo Ilse mich aufpickte. Am eigentlichen Treffpunkt kamen dann 60 Singwillige zusammen und nach einem Begrüßungsjodler ging’s bergauf. Grün wohin das Auge sah, was ihm gut tat, nachdem es wochenlang nur auf Berge von Papier und den Computerbildschirm gestarrt hatte. Ab und zu musste auf den Weg achtgegeben werden, der viele Regen hatte hier und dort die Erde aufgeweicht und kleinere und größere Schlammpfützen hinterlassen. Zwischendurch legten wir immer wieder Singpausen ein, auch in Nüchternbrunn, einer Einsiedelei im Wald. Bald darauf hatten wir schon den ja auch nicht wirklich hohen Gipfel erklommen, wo das Gasthaus Taubenberg mit einer schönen Terrasse, einer unglaublichen Aussicht und gutem Bio-Essen und -Getränken aufwartete. Nach der Rast wurde wieder gejodelt, die anderen Gäste reagierten ganz unterschiedlich darauf, vor allem die Kinder: Manche waren komplett fasziniert, andere schrien in Tönen, die Erwachsene gar nicht mehr hinbekommen.


Ein fast dankbareres Publikum stand auf einer Wiese: Ilse hatte mir schon erzählt, Kühe würden liebend gerne Jodler hören. Ich hielt das ja für reine Erfindung, bis ich sah, wie die Kühe aufhörten zu grasen und fast andächtig und gebannt unserem Gesang lauschten. Vorbei ging es am Rapunzelturm, der eigentlich ein Wasserturm werden wollte. Einige von uns stiegen hoch, um die schöne Aussicht zu genießen. Wirklich toll: Es gibt eine Treppe für den Aufstieg und eine für den Abstieg, was für ein fantastisches schneckenartiges Raumbild sorgt, wenn man im Inneren des Turms von oben nach unten schaut. Die Akustik war auch erstklassig, so viel Hall haben Jodler sonst nicht zur Verfügung, denke ich. Der Rückweg nach Oberwarngau war dann schnell bewältigt und immer wieder von Gesängen begleitet. Ich wunderte mich, dass ich inzwischen fast alles mitsingen kann, obwohl ich ja bisher nur wenige Male beim Jodelsingen dabei war. Aber es hilft, dass Erich Sepp mit der Hand anzeigt, ob die Töne hoch oder runter gehen werden und außerdem lausche ich bei anderen ab. Zum Schluss gab’s noch Applaus von ein paar Dorfbewohnern, die sich sicher auch fragten, warum eigentlich nicht öfter (außerhalb des Fernsehens, in Stadien oder auf Bühnen) und gemeinsam gesungen wird …

Kastanienblüte im Hofgarten

Es gibt Momente, da stehe ich einfach und staune. Wie gestern im Hofgarten beim Anblick einer Reihe rotblühender Kastanien. Dann begann ich zu fotografieren und fragte mich gleichzeitig, warum es in Bayern eigentlich kein Kastanienblütenfest gibt, ein „Boarisch Hanami“ oder so. Denn in ihrer Schönheit stehen die Kastanienblüten den japanischen Kirschblüten kaum nach. Wie ich in einem alten Buch über Bachblüten lese, Red Chestnut gehört zu den ursprünglichen von Edward Bach ausgewählten Essenzen, kam der Baum über Asien nach Europa (ursprünglich scheint er aus Nordamerika zu stammen). Ludwig XIV. ließ ihn in seinen Parks und Alleen pflanzen, weil der Baum angenehmen Schatten spendet und der französische Monarch so entzückt von den Blütenkerzen war. Der Sonnenkönig setzte damit einen Garten-Modetrend: Die Rotblühende Kastanie wurde in vielen europäischen Hofgärten angepflanzt, so auch im Münchner Hofgarten. Er gehört zur benachbarten Residenz der Wittelsbacher und feierte 2013 sein 400-jähriges Bestehen.


Wer nicht nur Kastanienblüten schauen will, findet im Hofgarten immer ein lauschiges Plätzchen zum Entspannen, entweder auf einer der Bänke an einem der Brunnen oder denen, nahe der hohen Hecken: für die kleine Stadtflucht, für die man die Stadt nicht verlassen muss.

Und: Aus dem Diana-Tempel, der im Zentrum des Gartens steht, tönt oft Musik herüber, von Saxophon-, Klarinetten-, Geigen-, Akkordeon- und sogar Klavierspielern, im Sommer bietet er ein Parkett für Tango-Argentino-, Salsa- und Swingtänzer.

Craft aus dem Umspannwerk

Mein erster Post in diesem Blog drehte sich um Glühbier, das wir 2011 mit großem Genuss auf dem Münchner Weihnachtsmarkt tranken. Mit ihm entdeckten wir das Giesinger Bräu und wurden Fans dieser Biermanufaktur & Spezialitäten Braugesellschaft. Zum einen war ihre Geschichte einfach zu schön: eine Mikrobrauerei, die köstliches Bier in einer Untergiesinger Garage braute und zweitgrößte Privatbrauerei der Stadt wurde – weil nahezu alle anderen Münchner Brauereien großen Konzernen angehören. Die Brauer vom Giesinger Bräu erlaubten mit ihrer Arbeit einen ziemlich direkten Einblick in den Brauprozess: Sie ließen ihre Kunden auf irgendwie ganz selbstverständliche Art an ihrer Leidenschaft für das Brau-Handwerk teilhaben und machten deutlich, dass Bier nicht nur Massenware sein muss. Es kann, als ein natürliches Lebensmittel, auch Seele haben. 2014 fand die Brauerei im ehemaligen Giesinger Umspannwerk in Obergiesing ein neues Zuhause. Dort können statt 1900 nun bis zu 15 000 Hektoliter im Jahr gebraut werden. Dabei bleibt sich die Brauerei treu und produziert weiterhin unfiltriertes Bier, das auch nicht thermisch erhitzt wird. Ins Bräustüberl war gestern eine Schar von Bloggern eingeladen, um die neuesten Kreationen zu verkosten. Zum Tag des Deutschen Bieres, am 23.4.2015, schickt Giesinger Bräu eine Viererbande an den Start: vier obergärige Sude, die die Craft-Beer-Szene bereichern sollen. Geschäftsführer Steffen Marx war in seiner Willkommensrede wichtig zu erwähnen, dass alle Giesinger Biere, auch die Standardsorten, „Craft“ sind – eben traditionelle Handwerkskunst. Und doch: Der Stolz über und die Freude an den neuen Spezial-Bieren – sie sind übrigens vorerst auf jeweils sechs Hektoliter limitiert und beim Giesinger Bräu selbst und im gut sortierten Getränkehandel erhältlich – waren nicht zu übersehen.


Im nett eingedeckten Sudhaus begann unsere Geschmacksabenteuerreise mit dem Lemondrop Triple (7,5 % Alc.): Es erinnert an belgische Trapistenbiere und verdankt seine Frische einer besonderen Hopfensorte aus den USA: der „Lemondrop“, die in einem Glas zum Beschnuppern herumgereicht wurde und mich an Zitronengras erinnerte.
Ein Hauch von Schokolade, ich würde ja sagen „Kaffeesahne“, zeichnet das Wheat Stout (4,0 % Alc.) aus. Sein Aroma verdankt es Röstgerste und Röstmalz sowie einem hohen Weizenanteil. Mein Favorit war allerdings das Doppel-Alt (7,0 % Alc.), wegen seiner Geschmacksbandbreite: Es fängt süffig, karamellig an und geht dann sachte, aber bestimmt in wunderbare Bittertöne über – was ich persönlich sehr mag. Craft-Bier Nummer 4, das Baltic Rye Porter (6,7 % Alc.), verdankt seine Vollmundigkeit fünf verschiedenen Malzsorten, darunter drei Roggensorten. Und es wartete beim Läutern, so erzählte Simon Rossmann, der für die Getränketechnologie zuständig ist, mit einer kleinen Überraschung auf: Dauert dieser Prozess gemeinhin ca. 80 Minuten, waren es hier sieben Stunden. Wie wir nachher erfragten, lag das an der Dichte des Roggens und seines Klebereiweißes. Die Flüssigkeit sickert nur langsam durch, wenn ich es richtig verstanden habe. Ein Grund, warum in größeren Brauereien nicht mit Roggen gebraut wird: Es kostet zu viel Zeit. Wer trinkt, muss auch essen, und so fuhren unsere Gastgeber ein paar Schmankerl auf, die uns wieder Boden unter den Füßen gaben. Mit dem Sternhagel durften wir dazu Bier Nummer 5 testen: die Mutter alle Starkbiere, wie die Giesinger selbst es nennen. Dafür kommt es allerdings ziemlich spritzig daher und steigerte unsere Beschwingtheit um weitere Grade. Mein Begleiter und ich hatten einen umwerfend köstlichen Abend. Und gerade als wir dachten, schöner kann’s nicht mehr werden und gehen wollten, stand noch eine kleine Führung in den Gärkeller auf dem Programm. Dort besichtigten wir die Schrotmühle und die Malzsilosäcke, die offenen Gärbottiche und Lagertanks. Einige Mittester waren so clever und hatten ihre Gläser mit dabei, denn das gelagerte Bier durfte gezapft und probiert werden. Das war der Moment, in dem Steffen „Zauberhand“ Marx wieder einen Auftritt hatte: Wir hatten ihm diesen Beinamen schon im Sudhaus gegeben, da er beständig wie aus dem Nichts an unserem Tisch auftauchte und Bierflaschen öffnete, Bier einschenkte, frische Gläser auftischte oder eben mit Extra-Gläsern plötzlich im Keller stand – wir haben uns wunderbar umsorgt gefühlt. Als „Wegzehrung“ bekamen wir am Ende des Abends noch ein kleines Kistchen mit, der Tag des Deutschen Bieres kann also ausgiebig gefeiert werden!

Übrigens habe ich an diesem Abend eine weitere Köstlichkeit entdeckt: das Hausbrot, das mit Biertreber gebacken wird. Es war so luftig-leicht und knusprig, dass ich sämtliche Brezen dafür liegen ließ. Bisher wird es nur im Bräustüberl gereicht, aber mit viel, viel Glück und einem zweiten Backofen in Zukunft vielleicht auch außer Haus verkauft.

Frischer Wind im Botanischen Garten

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Frühjahr und Spätsommer sind für mich die schönste Zeit, um im Münchner Botanischen Garten zu lustwandeln. Ich mag beides: die neu aufbrechende Kraft und Frische und die Üppigkeit kurz vor dem langsamen Vergehen. Bei schönstem Sonnenschein, aber recht frischem Wind, … Weiterlesen

Frühling mit Aussicht

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Dort, wo heute die Altmühl vor sich hinplätschert, tummelten sich von 150 Millionen Jahren an und in einer subtropischen Flachmeereslagune kleine Dinosaurier, Ur-Garnelen und ein Brücken- oder Übergangswesen, das Forscher als Urvogel oder Archaeopteryx bezeichnen. Gefunden wurde das Fossil in … Weiterlesen

Hinweis für Büchernarrische

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Hier kommt er wieder, mein alljährlicher Tipp für Münchner und Um-München-Herumwohner ins Büchermeer abzutauchen: In zwei Wochen, am 21.02.2015 öffnet der Bücherflohmarkt in Gröbenzell um 10 Uhr seine Türen. Wer nicht am ersten Tag wie ein Rennpferd auf den Startschuss … Weiterlesen

Der Schnee war dem Kohl sein Tod

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Das bekam meine Freundin auf dem Viktualienmarkt zu hören, als sie versuchte, für das alljährliche Kohl-und-Pinkel-Treffen Grünkohl zu besorgen. Doch der war in Bayern unter der Schneelast im Dezember zusammengebrochen, die kärglichen, noch verwendbaren Restbestände bereits ausverkauft. Denn: Nur eine … Weiterlesen