Kastanienblüte im Hofgarten

Es gibt Momente, da stehe ich einfach und staune. Wie gestern im Hofgarten beim Anblick einer Reihe rotblühender Kastanien. Dann begann ich zu fotografieren und fragte mich gleichzeitig, warum es in Bayern eigentlich kein Kastanienblütenfest gibt, ein „Boarisch Hanami“ oder so. Denn in ihrer Schönheit stehen die Kastanienblüten den japanischen Kirschblüten kaum nach. Wie ich in einem alten Buch über Bachblüten lese, Red Chestnut gehört zu den ursprünglichen von Edward Bach ausgewählten Essenzen, kam der Baum über Asien nach Europa (ursprünglich scheint er aus Nordamerika zu stammen). Ludwig XIV. ließ ihn in seinen Parks und Alleen pflanzen, weil der Baum angenehmen Schatten spendet und der französische Monarch so entzückt von den Blütenkerzen war. Der Sonnenkönig setzte damit einen Garten-Modetrend: Die Rotblühende Kastanie wurde in vielen europäischen Hofgärten angepflanzt, so auch im Münchner Hofgarten. Er gehört zur benachbarten Residenz der Wittelsbacher und feierte 2013 sein 400-jähriges Bestehen.


Wer nicht nur Kastanienblüten schauen will, findet im Hofgarten immer ein lauschiges Plätzchen zum Entspannen, entweder auf einer der Bänke an einem der Brunnen oder denen, nahe der hohen Hecken: für die kleine Stadtflucht, für die man die Stadt nicht verlassen muss.

Und: Aus dem Diana-Tempel, der im Zentrum des Gartens steht, tönt oft Musik herüber, von Saxophon-, Klarinetten-, Geigen-, Akkordeon- und sogar Klavierspielern, im Sommer bietet er ein Parkett für Tango-Argentino-, Salsa- und Swingtänzer.

Craft aus dem Umspannwerk

Mein erster Post in diesem Blog drehte sich um Glühbier, das wir 2011 mit großem Genuss auf dem Münchner Weihnachtsmarkt tranken. Mit ihm entdeckten wir das Giesinger Bräu und wurden Fans dieser Biermanufaktur & Spezialitäten Braugesellschaft. Zum einen war ihre Geschichte einfach zu schön: eine Mikrobrauerei, die köstliches Bier in einer Untergiesinger Garage braute und zweitgrößte Privatbrauerei der Stadt wurde – weil nahezu alle anderen Münchner Brauereien großen Konzernen angehören. Die Brauer vom Giesinger Bräu erlaubten mit ihrer Arbeit einen ziemlich direkten Einblick in den Brauprozess: Sie ließen ihre Kunden auf irgendwie ganz selbstverständliche Art an ihrer Leidenschaft für das Brau-Handwerk teilhaben und machten deutlich, dass Bier nicht nur Massenware sein muss. Es kann, als ein natürliches Lebensmittel, auch Seele haben. 2014 fand die Brauerei im ehemaligen Giesinger Umspannwerk in Obergiesing ein neues Zuhause. Dort können statt 1900 nun bis zu 15 000 Hektoliter im Jahr gebraut werden. Dabei bleibt sich die Brauerei treu und produziert weiterhin unfiltriertes Bier, das auch nicht thermisch erhitzt wird. Ins Bräustüberl war gestern eine Schar von Bloggern eingeladen, um die neuesten Kreationen zu verkosten. Zum Tag des Deutschen Bieres, am 23.4.2015, schickt Giesinger Bräu eine Viererbande an den Start: vier obergärige Sude, die die Craft-Beer-Szene bereichern sollen. Geschäftsführer Steffen Marx war in seiner Willkommensrede wichtig zu erwähnen, dass alle Giesinger Biere, auch die Standardsorten, „Craft“ sind – eben traditionelle Handwerkskunst. Und doch: Der Stolz über und die Freude an den neuen Spezial-Bieren – sie sind übrigens vorerst auf jeweils sechs Hektoliter limitiert und beim Giesinger Bräu selbst und im gut sortierten Getränkehandel erhältlich – waren nicht zu übersehen.


Im nett eingedeckten Sudhaus begann unsere Geschmacksabenteuerreise mit dem Lemondrop Triple (7,5 % Alc.): Es erinnert an belgische Trapistenbiere und verdankt seine Frische einer besonderen Hopfensorte aus den USA: der „Lemondrop“, die in einem Glas zum Beschnuppern herumgereicht wurde und mich an Zitronengras erinnerte.
Ein Hauch von Schokolade, ich würde ja sagen „Kaffeesahne“, zeichnet das Wheat Stout (4,0 % Alc.) aus. Sein Aroma verdankt es Röstgerste und Röstmalz sowie einem hohen Weizenanteil. Mein Favorit war allerdings das Doppel-Alt (7,0 % Alc.), wegen seiner Geschmacksbandbreite: Es fängt süffig, karamellig an und geht dann sachte, aber bestimmt in wunderbare Bittertöne über – was ich persönlich sehr mag. Craft-Bier Nummer 4, das Baltic Rye Porter (6,7 % Alc.), verdankt seine Vollmundigkeit fünf verschiedenen Malzsorten, darunter drei Roggensorten. Und es wartete beim Läutern, so erzählte Simon Rossmann, der für die Getränketechnologie zuständig ist, mit einer kleinen Überraschung auf: Dauert dieser Prozess gemeinhin ca. 80 Minuten, waren es hier sieben Stunden. Wie wir nachher erfragten, lag das an der Dichte des Roggens und seines Klebereiweißes. Die Flüssigkeit sickert nur langsam durch, wenn ich es richtig verstanden habe. Ein Grund, warum in größeren Brauereien nicht mit Roggen gebraut wird: Es kostet zu viel Zeit. Wer trinkt, muss auch essen, und so fuhren unsere Gastgeber ein paar Schmankerl auf, die uns wieder Boden unter den Füßen gaben. Mit dem Sternhagel durften wir dazu Bier Nummer 5 testen: die Mutter alle Starkbiere, wie die Giesinger selbst es nennen. Dafür kommt es allerdings ziemlich spritzig daher und steigerte unsere Beschwingtheit um weitere Grade. Mein Begleiter und ich hatten einen umwerfend köstlichen Abend. Und gerade als wir dachten, schöner kann’s nicht mehr werden und gehen wollten, stand noch eine kleine Führung in den Gärkeller auf dem Programm. Dort besichtigten wir die Schrotmühle und die Malzsilosäcke, die offenen Gärbottiche und Lagertanks. Einige Mittester waren so clever und hatten ihre Gläser mit dabei, denn das gelagerte Bier durfte gezapft und probiert werden. Das war der Moment, in dem Steffen „Zauberhand“ Marx wieder einen Auftritt hatte: Wir hatten ihm diesen Beinamen schon im Sudhaus gegeben, da er beständig wie aus dem Nichts an unserem Tisch auftauchte und Bierflaschen öffnete, Bier einschenkte, frische Gläser auftischte oder eben mit Extra-Gläsern plötzlich im Keller stand – wir haben uns wunderbar umsorgt gefühlt. Als „Wegzehrung“ bekamen wir am Ende des Abends noch ein kleines Kistchen mit, der Tag des Deutschen Bieres kann also ausgiebig gefeiert werden!

Übrigens habe ich an diesem Abend eine weitere Köstlichkeit entdeckt: das Hausbrot, das mit Biertreber gebacken wird. Es war so luftig-leicht und knusprig, dass ich sämtliche Brezen dafür liegen ließ. Bisher wird es nur im Bräustüberl gereicht, aber mit viel, viel Glück und einem zweiten Backofen in Zukunft vielleicht auch außer Haus verkauft.

Frischer Wind im Botanischen Garten

Frühjahr und Spätsommer sind für mich die schönste Zeit, um im Münchner Botanischen Garten zu lustwandeln. Ich mag beides: die neu aufbrechende Kraft und Frische und die Üppigkeit kurz vor dem langsamen Vergehen. Bei schönstem Sonnenschein, aber recht frischem Wind, ging’s am Sonntag – am Nymphenburger Kanal entlang – ins Pflanzenidyll. Dort wartete hinter dem Rhododendrondickicht eine Überraschung: Das Café im Botanischen Garten ist umgestaltet und auf dezente Art moderner, luftiger und größer geworden.


Zwei schnörkellose Anbauten (in einem sind Tresen und Verkaufstheken untergebracht, der andere lädt zum windgeschützten Sitzen mit zur Terrasse hin offenen Front ein), die von der Inneneinrichterin Katharina Kamm ausgestattet wurden, verleihen ihm ein ganz neues Flair. Besucher können weiter auf den Terrassen vor und hinter dem pavillonartigen Ursprungstrakt sitzen, der frühere Verkaufsraum hat sich in einen prachtvoll-behaglichen Gastraum mit ausgefallener Deckenbeleuchtung verwandelt. Das Café fand regen Zuspruch: Es war so voll, dass ich trotz der Erweiterung keinen Sitzplatz mehr bekam, weshalb ich wahrscheinlich mal unter der Woche wiederkommen und das Angebot testen werde. Gestern suchte ich mir andere lauschige Plätze in der Sonne und berauschte mich an den Frühlingsfarben und -düften.

Frühling mit Aussicht

Dort, wo heute die Altmühl vor sich hinplätschert, tummelten sich von 150 Millionen Jahren an und in einer subtropischen Flachmeereslagune kleine Dinosaurier, Ur-Garnelen und ein Brücken- oder Übergangswesen, das Forscher als Urvogel oder Archaeopteryx bezeichnen. Gefunden wurde das Fossil in den berühmten Solnhofener Plattenkalken, die auch andere Abdrücke von Pflanzen, Weichtieren und Insekten konservierten. An diesem Wochenende war Solnhofen Ausgangspunkt für eine Wanderung über den Altmühl-Panoramaweg nach Dollnstein, die das Bildungswerk des Bund Naturschutz in Bayern e.V. anbot. Da ich die Gegend auf dem Wasser schon bereist hatte, wollte ich sie jetzt mal aus einer anderen Perspektive kennenlernen und zu Fuß erkunden. Die erste Etappe führte über die wohl spektakulärste Felsformation an der Altmühl: die Zwölf-Apostel-Felsen. Tatsächlich reihen sie sich wie stumme Wächter oberhalb des Flusses aneinander und haben sich als Teil eines ehemaligen Riffgürtels gegen den Zahn der Zeit, Wind und Wetter behauptet. Der Panoramaweg erlaubt immer wieder herrliche Ausblicke auf diese Felsen, bis man schließlich selbst auf ihnen steht. Veilchen und Küchenschellen säumen den Weg, im weiteren Verlauf geht es durch eine Wacholderheide zum Maxberg, auf dem die Solnhofener Platten noch heute abgebaut werden. Wir queren ein Firmengelände, das die Kalksteinplatten in unterschiedlichen Größen lagert. Sie sehen zum Teil aus wie steinerne Papierblätter und zieren heute meist Wand- und Bodenflächen. Neu war für mich, dass der Solnhofener Stein – weil er so feinkörnig ist – in der Lithographie eine große Rolle gespielt hat, die Ende des 18. Jh. von Alois Senefelder erfunden wurde.


Wer wandert, muss auch essen und so kehrte unsere Gruppe in Mörnsheim, in einem kleinen Seitental an der Gailach gelegen, im Gasthof „Zum Brunnen“ ein (dessen Mitabeiter es schafften, 87 Leute auf einmal glücklich zu machen). Frisch gestärkt nach Bärlauchpfannkuchen, Maultaschen oder Schnitzel ging’s dann weiter über Altendorf, wo die Wallfahrtskirche Maria Elend grüßt, Hagenacker (ich erinnerte mich an die Flussschwellen der Altmühl, die dort beim Bootswandern überwunden werden mussten) Richtung Dollnstein. Der markante Burgsteinfelsen ragt dort turmähnlich empor und gilt als eines der schönsten Geotope in Bayern. Dollnstein verabschiedete uns mit einem prächtigen Osterbrunnen, der liebevoll bemalte echte Hühnereier (wie auf einem Schild ausdrücklich betont wurde) trug. Diese erste Wanderung des Jahres, mit vielen netten Gesprächen und einem „Expertenaustausch“ über Spiegelreflexkameras mit einem fotobegeisterten Schüler (ich habe viel Neues über meinen Fotoapparat erfahren) macht Lust auf mehr, ich hoffe, bald wieder die Bergschuhe schnüren zu können.

Krapfenparade

Mag ja sein, dass früher mehr Lametta war, aber mit Sicherheit nicht eine derartige Krapfenvielfalt. Krapfen, oder Berliner, wie man in meiner Heimat sagt, der in Berlin wiederum Pfannkuchen heißt, gab es damals in maximal vier Ausführungen: Mit Kristall- oder Puderzucker bestreut, mit heller (Aprikose) oder dunkler (Erdbeer) Marmelade gefüllt, basta. An diese Füllung zu kommen, war die eigentliche Herausforderung beim Berliner-Essen. Entweder erwischte man sie sofort und hatte dann mit dem trockenen Rest zu kämpfen oder umgekehrt. Oder: der Berliner hatte keine Füllung, weil der Bäcker sie vergessen hatte. In Bayern ist der Krapfen DAS Faschingszeitgebäck. Kurz nach Neujahr kommt es zu einer Art Berliner-Explosion, und wer glaubt, er könne jetzt bereits mit einer Frühjahrsdiät beginnen, braucht einen unglaublichen eisernen Willen. Und: In den letzten Jahren werden die Krapfen-Kreationen immer fantasievoller. Cranberry-Berliner, Erdbeer-Rhabarber, Crème brûlée, Schoko-Mousse, Hugo – wochenlang könnte man jeden Tag eine andere Sorte essen. Ab Weiberfasching dient der Krapfen ja als Stärkung und Unterlage, um die tollen Tage kräftemäßig durchzustehen und dem Alkohol etwas entgegen zu setzen – darüber informierte mich eine Freundin, die davon im Morgenmagazin aus Köln gehört hatte.

Ich habe dieses Jahr einfach mal kreuz und quer Krapfen probiert und küre in dieser Hitparade meine drei Favoriten:
Auf Platz 3 der allzeitgute Fränkische Hagebuttenkrapfen von Rackls Backstubn. Total schlicht, mit Kristallzucker-Oberfläche und leicht herbem Hagebuttenmus gefüllt, also nicht so süß. Ich fragte ihn schon im Herbst an, doch die Bäckereifachverkäuferin meinte, da müsse ich nach Silvester wiederkommen.
Den zweiten Platz belegt der Bienenstich-Krapfen von Bäckerei Ihle. Er, hurra!, ist auch außerhalb der Faschingszeit zu bekommen. Leckere, kross-knackige Mandelstreusel verbinden sich beim Reinbeißen aufs Schönste mit dem weichen Hefeteig und der üppigen Vanillesahne. Für mich hat er Suchtpotenzial.
Nummer 1 ist dieses Jahr der Germknödel-Krapfen auch aus dem Hause Rackl, wegen des Überraschungseffekts: Von außen hat dieser Krapfen Ähnlichkeit mit einem Mohnbrötchen, aber der Mohn ist mit feinem Zucker gemischt und beides haftet auf einer dünnen Vanilleschicht. Gefüllt ist der Krapfen mit Powidl, also Pflaumenmus, klar – UND Vanillesauce! Zwei unterschiedliche Füllungen in einem Krapfen, also ich finde, dafür hat der Germknödel-Krapfen den Sieg verdient.
Übrigens könnte ich mir vorstellen, dass einige der Faschingszeit-Krapfen das Zeug hätten, den hippen Cronuts in New York den Rang abzulaufen. Es gibt ja auch noch die üppigen Varianten, bei denen der Krapfen aufgeschnitten und mit Tiramisu-, Eierlikör- und Schwarzwälderkirsch-Creme gefüllt wird. Falls also jemand in die USA auswandern und sich dort ein kleines Imperium aufbauen möchte, vielleicht wären Bavarian Doughnuts einen Versuch wert?

Hinweis für Büchernarrische

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Hier kommt er wieder, mein alljährlicher Tipp für Münchner und Um-München-Herumwohner ins Büchermeer abzutauchen: In zwei Wochen, am 21.02.2015 öffnet der Bücherflohmarkt in Gröbenzell um 10 Uhr seine Türen. Wer nicht am ersten Tag wie ein Rennpferd auf den Startschuss … Weiterlesen

Der Schnee war dem Kohl sein Tod

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Das bekam meine Freundin auf dem Viktualienmarkt zu hören, als sie versuchte, für das alljährliche Kohl-und-Pinkel-Treffen Grünkohl zu besorgen. Doch der war in Bayern unter der Schneelast im Dezember zusammengebrochen, die kärglichen, noch verwendbaren Restbestände bereits ausverkauft. Denn: Nur eine … Weiterlesen

Im Brau-Labyrinth

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Bei meinem Besuch des Eiswerks im Rahmen der Ersten Münchner Bierinseln wurde mir ja dringend eine Besichtigung der Paulaner Brauerei ans Herz gelegt. Bevor sie aus Expansionsgründen nach Langwied rauszieht (Mitte 2015 soll dort der erste Sud eingebraut werden), wollte … Weiterlesen