Kirschblüte im Westpark

In Japan und China ist sie ein Großereignis – die Zeit der Kirschblüte. Der Anblick der rosa umwölkten Bäume entzückt, erfüllt und schmerzt zugleich – die Wucht der Schönheit eines Moments, zart und vergänglich. Ein Hauch davon ist im Westpark spürbar mit seinem Japan- und Chinagarten, ergänzt von der Thai-Sala und Nepal-Pagode. Diese grüne Oase – die ziemlich weitläufig ist und vielen Münchner den Garten oder Balkon ersetzt – entstand 1983 im Rahmen der Internationalen Gartenbauausstellung. Gerade der asiatisch angelegte Teil des Parks schenkt tiefe Ruhe und Besinnlichkeit. Überall gibt es die Möglichkeit zu rasten, das Auge schweifen zu lassen und sich an der Natur, aber auch an ihrer durchdachten Gestaltung zu ergötzen. Mir helfen die vielen unterschiedlichen Bilder, meine innere Quelle wieder aufzutanken. Oft vergesse ich, wie einfach das eigentlich geht und bin überrascht, wie selten ich es mir gönne – eine seltsame Art von Vergesslichkeit –, mich an diese schlichteste und doch gehaltvollste aller „Batterien“ anzuschließen.

Und direkt neben der Stille, die ziemlich gut abgeschirmt ist, tobt auf demselben Areal der Bär: Es wird Fuß-, Volley- oder Federball gespielt und über allem liegt eine leichte Holzkohle-Note. Denn mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt im Westpark die Freigrillsaison, weshalb ein Teil der Grünanlage unter dichten Rauchschwaden verschwindet. Und auch wenn’s verführerisch duftet – mich zieht es zurück unter die Bäume und den Kirschblütenregen, in das Auge des Sturms.

Das Allgegenwärtige

Die Frauenkirche ist das unbestrittene Wahrzeichen Münchens. Markenzeichen der Stadt ist jedoch etwas – wenn auch auf andere Art – ebenso Allgegenwärtiges: das Münchner Kindl. So wird der Mönch auf dem kleinen und großen Stadtwappen bezeichnet, der an das Kloster erinnert, das als Keimzelle Münchens gilt. Es hat wohl einst dort gestanden, wo sich heute der Alte Peter befindet, also auf der kleinen Anhöhe unweit vom Marienplatz. Wer dort in der Altstadt die Augen offenhält, der entdeckt das meist in den Stadtfarben Schwarz und Gold gekleidete Kindl fast überall. Manchmal verbirgt es sich auch an Fassaden, wie etwa in der mächtigen Figurengruppe über dem Westportal der Heilig-Geist-Kirche, wo es mir erst auffiel, als ich ein Foto davon genauer betrachtete. Die eine Hand hat es zum Schwur erhoben, in der anderen hält es ein Buch. Andere Darstellungen zeigen es mit Maßkrug und Rettich. Der Geschichte der Wappenfigur und ihre Wandlung vom Mönch zu einem niedlichen kleinen Jungen und schließlich zum Mädchen widmet sich das 1999 erschienene Buch „Das Münchner Kindl. Eine Wappenfigur geht eigene Wege“, das in Zusammenarbeit mit dem Münchner Stadtmuseum entstand und von Florian Dering herausgegeben wurde. Es zeigt anhand einer Fülle von Beispielen, wie das Münchner Kindl im Laufe der Jahrhunderte ganz unterschiedlich gesehen und eingesetzt wurde.

Den Titel schmückt eine meiner Lieblingsdarstellungen: das Münchner Kindl auf Rollschuhen und mit wehendem Haar. Es entstand 1910 als Postkartenentwurf. Auch der Tierpark Hellabrunn warb mit der Wappenfigur: Auf einem Plakat von 1911 reitet das Mönchlein auf einem Nilpferd. Und das sind nur zwei Beispiele dafür, wie das Markenzeichen Münchner Kindl genutzt wurde: Es ziert Maßkrüge oder wurde selbst zum Figurenkrug, ist auf Schnupftabakdosen, Streichholzschachteln, Maibäumen, Faschingsorden und allem, was ihr euch nur denken könnt, zu sehen und wurde für jede Art von Reklame sowie für politische Zwecke verwendet bzw. auch missbraucht. Heute finden wir es auf U- und Trambahnen sowie Kanaldeckeln wieder, es gibt die Senfmanufaktur Münchner Kindl Senf, den Münchner Kindl Lauf, selbst Brot, Stollen sowie allerlei Einrichtungen für Kinder tragen diesen Namen. Einmal im Jahr erwacht das Münchner Kindl zum Leben: Es reitet – verkörpert von einer jungen, meist blonden Frau – auf einem Pferd beim Einzug der Festwirte voran. Auch beim Schäfflertanz, der ja nur alle sieben Jahre stattfindet, habe ich es schon gesichtet. Viel Spaß hatte ich an einem Foto auf dem Titel des SZ-Magazins vom 22.2.2002 und das ich aufgehoben habe: Es zeigt eine Großaufnahme des damaligen Oberbürgermeisters Christian Ude in schwarz-goldener Kutte. Am meisten fasziniert mich jedoch eine Skulptur im Tal: Ich vermute, sie zeigt die dunkle Seite des Münchner Kindls – oder soll es als so eine Art Gegenzauber Feinde abschrecken und in die Flucht schlagen?

Übrigens: „Münchner Kindl“ dürfen sich alle Menschen nennen, die in München geboren wurden. Und natürlich sind nur sie, sie allein, „echte“ Münchner.

Bayern, Uhren, Uhrzeit

Dass in Bayern die Uhren anders gehen, das durfte ich schon zu Studienzeiten in einer alternativ angehauchten Pinte in Bielefeld erfahren. Dort hing hinterm Tresen eine auf bayrisch getrimmte Uhr, auf der die Zeit quasi rückwärts lief. So dachte ich damals jedenfalls. Es waren die 80er-Jahre, wir fanden Bayern unter Franz Josef Strauß einfach indiskutabel konservativ und hinterwäldlerisch. Erst viele Jahre später, als ich in München zum Fotografieren unterwegs war, fiel mir am Isartor eine ähnliche von Petra Perle – einst Wirtin des Turmstüberl – gestiftete Uhr auf. Auch hier läuft die Zeit rückwärts. ABER, und das dämmerte mir erst da, die Zeit wurde weiterhin korrekt angegeben. Denn die Zahlen auf dem Zifferblatt waren gegengleich angebracht. Die vordergründige Rückständigkeit ist gar keine. Ja, Bayern denkt anders als du denkst.
Womit ich ebenfalls seit Jahren zu kämpfen habe, sind Uhrzeitangaben wie zum Beispiel viertel neun oder dreiviertel neun, und das nicht erst, seit ich in Bayern lebe. Meine Oma in der Pfalz konfrontierte mich als Kind schon damit und auch im Russischen, das ich später lernte, wird die Zeit auf diese Art bestimmt. Ich traf dann eine pfiffige Schwäbin, mit der zusammen ich einen Monat auf der Krim studierte. Sie erklärte mir, ich müsse die angebrochene Stunde wie eine Wurst betrachten, die ich in viertel, halb und dreiviertel unterteile. Das leuchtete mir zwar unmittelbar ein und doch muss ich jedesmal neu überlegen: Höre ich „Wir sehen uns um dreiviertel acht“, kriege ich diesen glasigen Blick, weil ich innerlich Wurst aufschneide. Aber erst, wenn ich weiß, für welche Stunde die Wurst eigentlich steht. Verblüffend finde ich, wie problemlos ich halb acht begreife, aber ansonsten stur bei viertel nach sieben und viertel vor acht bleibe … Das muss an meinem ostwestfälischen Dickkopf liegen!

Teedurst

Auf meinem liebsten Spazierweg, den ich ja gerne Rennstrecke nenne, auch wenn ich nur gemütlich dahinschlendere, steht ein Schild. Jedesmal wenn ich daran vorbeigehe, habe ich die gleiche Fantasie: Ich biege dort ab und finde mich in einem lauschigen Teepavillon wieder. “Tea for two und Chai für zwei” steht auf der Angebotstafel am viktorianisch anmutendem Holztresen. Cup cakes, Petit fours, Muffins und Mini-Gugelhupfe (-hüpfe?) stapeln sich unter großen, auf Hochglanz polierten Glasglocken. Im Pavillon mit geschnitzten Blumenrankenornamenten stehen kleine weiß oder helltürkislich lackierte Tische mit passenden Stühlen. Die Damen, die dort einkehren, tragen alle Jane-Austen-Zeit-Kostüme, die Herren sind entsprechend elegant gekleidet. Immer scheint die Sonne, der Blick schweift weit … über den Golfplatz, denn auf den deutet das Schild natürlich eigentlich hin.

Update 20.3.2014: Und kaum besucht man mal einen anderen Stadtteil, ist er auch schon da – der imaginierte Teepavillon. Ich fand ihn unverhofft in Freimann auf dem Gelände der schönen Villa Mohr. Das nächste Mal habe ich eine Thermoskanne mit Tee dabei, ganz sicher!

Vom Fräulein zum Fräulein zum Fräulein …

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Manchmal fügt sich eins zum anderen und ergibt einen gar köstlichen Reigen. Und zwar so: Letztens habe ich mich näher mit einem adeligen Fräulein beschäftigt, wenn ich denn die Prinzessin Therese von Bayern so nennen darf. Anstatt zu heiraten (ihr … Weiterlesen

Bücherfreunde aufgemerkt!

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Wenn ihr in München oder im Münchner Umland wohnt, dann macht euch bereit: Am 8./9. März 2014 steigt er wieder, der Bücherflohmarkt in Gröbenzell. Wer sich so richtig ins Getümmel stürzen will und eher ein Jäger/eine Jägerin ist, der/die geht … Weiterlesen

Update-Kuddelmuddel

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Neuerdings habe ich ja die Verwaltung meiner Website selbst in der Hand – sozusagen seit vorvorgestern. Nachdem mir mein früherer Administrator und Computer-Held versicherte, ein Update ginge problemlos durch Knöpfchendrücken, probierte ich das mal wagemutig aus. Tatsächlich – einwandfreie Umstellung. … Weiterlesen