Manchmal landet ein UFO …

… und bringt Blaubeerkuchen mit! Aber der Reihe nach. Irgendwann im August spazierte ich ein wenig durch München und landete im Kunstareal. Als ich um die Ecke zur Pinakothek der Moderne bog, kurzes Stutzen:

S I E  W A R E N  G E L A N D E T ! ! ! ! ! !

Aber niemand schien in Panik, keine Eilmeldung hatte die Alltagsroutine unterbrochen und die Menschheit aufgemischt. Was auf den ersten Blick wie die fliegende Untertasse außerirdischer Besucher aussah, entpuppte sich als ein futuristisches Design des finnischen Architekten Matti Suuronen von 1968. Der Name des Wunderwerks, klar: Futuro. Ach, hätte ich doch mit damals sechs Jahren 12 000 Dollar gehabt, ein solches Haus hätte ich sicher gekauft und Platz wäre in unserem Schrebergarten schnell geschaffen gewesen. Wochenlang hätten wir „Invasion vom Mars“ gespielt … wie ich bei Wikipedia lese stand ein Exemplar immerhin 40 Jahre in Vlotho, also quasi bei meiner Heimatstadt um die Ecke. Der Architekt hatte Futuro für verschiedene Zwecke vorgesehen, als Berg- oder Skihütte in schwierigem Gelände, als Wochenendhaus, Unterrichtsraum oder Arztpraxis. Tatsächlich dient es als Chill-out-Raum für Forscher in der Arktis… cool!

 

Am gestrigen lauschigen Winternachmittag bei ca. 10 Grad plus konnten wir im Rahmen einer Glühweinparty einen Blick ins Innere des Raumschiffs werfen. Im Hintergrund lief finnische Musik und die Kuratorin Dr. Sonja Lechner, eine gebürtige Finnin, hatte Blaubeerkuchen – in größeren Mengen mit in Finnland selbst gesammelten Beeren – gebacken, die wir gerne verputzten. Währenddessen überlegten wir, warum Finnen so gerne Tango tanzen. (Der Filmemacher Aki Kaurismäki hat ja behauptet, der Tango sei in Finnland erfunden worden, was die deutsche Regisseurin Viviane Blumenschein zu dem sehenswerten Film „Mittsommernachtstango“ inspirierte.) Dann sprangen wir gedanklich zu einem unvergessenen Konzert auf dem Königsplatz, wo vor etlichen Jahren die finnische Band „Apocalyptica“ auftrat und mit ihren Elektro-Celli Klänge erzeugte, die scheinbar die Erde unter unseren Füßen aufriss! So einen Sound hatte ich noch nie zuvor gehört, wo ließ sich solche Musik üben? Ach, Finnland hat viele einsame Landstriche, dachte ich damals. Und dann fiel mir das Buch „Liebten wir“ von Nina Blazon ein. Dieser  Roman führt die Leser nach Helsinki (ich war kurz davor ein Flugticket zu kaufen) und in viele bewegende (Familien-)Geschichten. Ich nahm daraus unter anderem einen weiteren Musik-Tipp mit, einen echten Ohrwurm (von Loituma, ideal für Fasching oder wenn man mal im Wohnzimmer so richtig abtanzen will). Ruhiger lässt es Arvo Pärt angehen – und auch hier entsteht gleich das Gefühl, auf einem anderen Stern zu Besuch sein zu dürfen – manche Finnen haben das irgendwie drauf. Jetzt fehlt mir nur noch das Rezept für den schlichten aber überirdischen Blaubeerkuchen …

 

Im Spontan- und Jodel-Salon

Der Literatursalon hatte seine Hochzeit zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert. Vor allem die Frühromantiker trafen sich, z.B. bei Schriftstellerinnen wie Caroline Schelling oder Rahel Varnhagen, die daraufhin als Salonnière oder, wenn sie Töchter von Professoren waren, als „Universitätsmamsellen“ bezeichnet wurden. Es gab Lesungen und Diskussionen bei diesen Treffen, und neue Talente stellten ihre Musik vor. Wie es scheint, erlebt der Salon als Redeforum gerade eine Renaissance. Ganz unverhofft fand ich mich bei einer Privatfeier im Advent in einer Art Spontan-Salon wieder: Ein Liedermacher stellte seine selbst komponierten Songs vor und sang sie zu Begleitmusik aus der Konserve – was ich ziemlich mutig fand (mir imponierte auch, dass er seine fein geschliffenen Texte ALLE auswendig vortragen konnte). Anschließend überraschte uns Adelheid Schmidt-Thomé noch mit einer kleinen Lesung aus ihrem schönen und hoch interessanten Buch „Vergessene Münchnerinnen“. Sie hatte sich bei ihren Spaziergängen über den Münchner Südfriedhof mit Blick auf die Grabinschriften schon vor Jahren die Frage gestellt, ob die dort begrabenen Frauen nicht doch mehr gewesen sein könnten als “Rentierstochter”,  “kgl. bayerische Hofpianofortefabrikantenswittwe” oder  “Charkutiersgattin“. Ihre Recherchen brachten – neben zwei Kalendern – bisher 30 spannende Lebensgeschichten von mutigen, klugen und hoch begabten Frauen ans Licht, die in ganz unterschiedlichen Berufen in München gewirkt haben – und vergessen bzw. totgeschwiegen wurden. Adelheid stellte uns an diesem Abend Babette Klinger-Schmid vor, Tochter von „Papa Schmid“, der das Münchner Marionettentheater gegründet hatte. Wikipedia nennt sie nur „seine Erbin, die sein Werk fortsetzte, aber mit geringerem Erfolg“. Dass sie viele der Theaterstücke geschrieben und für den Erhalt des Theaters gesorgt hat, fiel – bislang – unter den Tisch.

 

Zu einer Art Jodel-Salon – das ist meine Bezeichnung für diese wunderbaren Treffen – laden inzwischen recht regelmäßig Ilse und ihre Schwester Luisa. Sonntags, im gemütlichen Gasthaus in Taglaching, das extra für uns JodlerInnen öffnet, wird wie z.B. am letzten Wochenende in netter Runde gemeinsam gesungen. Es ist ganz erstaunlich mitzuerleben, welche Kraft Musik hat: Aus lauter Einzelpersonen wird durch das Schwingen in und mit den Melodien recht schnell eine Gemeinschaft, die Stimmung freudig. Musik verbindet jenseits von Worten und kann Unerwartetes geschehen lassen: Vor Weihnachten war ich in einem Konzert im Prinzregententheater. Zunächst wurde vor dem gediegenen, mehrheitlich älteren Publikum Klassik gegeben, was recht feierlich war. Dann trat ein Rock ‘n‘ Roller aus Wien auf und überschwemmte mit seiner überbordenden Energie, der ungezähmten Rhythmus-Lust den Saal. Er riss 70-Jährige von den Sitzen, 80-Jährige warfen ihre Krücken von sich und es begann ein, soweit möglich, Elvis-Presley-artiges Hüftkreisen, das ich den meisten Leuten nicht zugetraut hätte. Zwischendurch kam mir – während ich selbst hin- und herhüpfte – der Gedanke, ob wir nicht alle VIEL mehr Rock ‘n‘ Roll bräuchten, um positive Schöpferkräfte wieder zum Leben zu erwecken. Um uns aus der Starre gestockter Energie herauszubringen, ist eigentlich jede Musik recht – wenn sie den, der sie hört oder der sie macht, mitreißt, in Bewegung, ins Schwingen oder Mitwippen bringt, allein oder in der Gruppe. Was mich wiederum an den tollen Film „Rhythm ist it!“ erinnert, der auf beeindruckende Weise zeigt, wie Menschen im Tanz zum eigenen, oft lange unterdrückten Selbstausdruck finden. Ich sollte mal wieder tanzen gehen, es muss ja nicht gleich in einem Tanzsalon sein.

Neuer Versuch

In der Grundschule wurde für uns Schüler das Jahr als großer Kreis aufgemalt und in Viertel zu je einmal Frühling, Sommer, Herbst und Winter und die einzelnen Monate aufgeteilt. Meine Sichtweise der Zeit scheint das stark geprägt zu haben, denke ich doch Vergangenheit und Zukunft nicht linear, sondern rund. Doch letztens fiel mir auf: Das stimmt so nicht. Eigentlich verlaufen die Jahre in meiner Vorstellung spiralförmig: Selber Tag, selber Monat, nur eine Etage höher mit neu dazugewonnenen Erfahrungen. Querverbindungen sind auf dieser Spirale, eine geniale Verbindung von kreisförmig und linear, jederzeit möglich, was zu interessanten Webmustern und manchmal neuen Eingebungen führt. Oft scheinen sich Dinge in mannigfaltigen Verkleidungen zu wiederholen, die nicht nur mit der mir zugemessenen Zeit, sondern auch mit dem Leben meiner/unserer Vorfahren zu tun haben. So fühlt sich das also an, dachte ich ab Anfang 2017 beklommen, wenn die sicher geglaubte Demokratie und andere Errungenschaften infrage gestellt oder sogar über den Haufen geworfen werden, die Dummheiten einzelner Machtmenschen – es sind ja noch so viele – mit einem Mal ein unglaubliches Gewicht erhalten und auf fruchtbaren Boden fallen, den man selbst für nicht mehr keimfähig gehalten hat. Und Worte umgedeutet und zu Hülsen mit anderen Inhalten werden. Und wenn man sich an Irrsinn gewöhnt, weil er „Arbeitsplätze sichert“ (z.B. umweltfreundliche Autos mit Abgaswertbetrug als Zugabe), gleichzeitig aber immer mehr Arbeitsplätze vernichtet werden.

 

Gute Gründe, die Hoffnung zu verlieren, oder … sich Inspirationen für andere Wege zu suchen. Mit großer Freude habe ich deshalb mal wieder „Was wir sind und was wir sein könnten“ von Gerald Hüther gelesen, ein Buch, das nicht umsonst den Untertitel „Ein neurobiologischer Mutmacher“ trägt. Auf Kreativität und Begeisterung, statt auf Leistungsdruck und Stress und diesen ewigen, unfassbar langweiligen Konkurrenzgedanken, zu setzen, scheint mir mehr als an der Zeit, und unser Hirn ist dafür eigentlich wie gemacht. Brücken statt Mauern und Gräben, uns verbinden, statt auszugrenzen – es könnte ja sein, wir lernen etwas von- und miteinander und erschaffen Wege, die wir allein gar nicht hinbekommen. Und dieser Ansatz ist nicht neu, es gab und gibt Völker, etwa die amerikanischen Ureinwohner, die den Vernetzungsgedanken über Generationen hinweg für wichtig hielten, da sie wussten und wissen, alles ist mit allem verbunden. Deshalb machten sie sich bewusst, dass jede ihrer Handlungen Auswirkungen auf die nächsten, mindestens sieben Generationen hat.
In diesem Sinne: Möge 2018 ein Jahr des gelungenen Austauschs werden, in dem wir fantasievolle, machbare Ideen entwickeln, sie Gestalt annehmen und wir zusammen friedvolle Wege finden und gehen.

Musikalisches Wochenende

Zum Advent und zur Weihnachtszeit gehört unbedingt Musik. Bereits letztes Wochenende gaben wir uns auf der Rückfahrt von unserer alljährlichen Wahlverwandschafts-Adventsfeier die volle Dröhnung Weihanchtslieder, erst Michael Bublé und dann unsere choreigene Weihnachts-CD von 2008. Da lauter ehemalige Chormitglieder im Auto saßen, sangen wir natürlich lautstark und mehrstimmig mit. Mich hatte der Weihnachts-Swing erfasst und so gab es letzte Woche noch Annie-Lennox-Christmas-Beschallung, die auch zum herzerwärmenden Mitjubeln einlädt. Kurzfristig erfuhr ich vom Auftritt meiner Freundin C. in der Sendlinger Himmelfahrtskirche und kaufte ihr eine Karte ab. Es war ein ganz wunderbarer Abend mit Stücken von John Rutter und Camille Saint-Saëns, die ich überhaupt noch nie, und schon gar nicht in der Weihnachtszeit gehört hatte. Seit zwei Tagen habe ich einen neuen Favoriten, den ich vor mich hinsumme, um zwischendurch stumm das Changieren zwischen Carl-Orff-Klängen, Leonard Bernsteins „I wanna be in America“, „Carmen“-Auftakten und Western-Musik-Melodien zu bewundern.

Und wenn man schon einmal in Musik schwelgt, kommt immer mehr Musik dazu: Ein Freund, mit dem ich eigentlich nur auf Kaffee und Kuchen verabredet war, fragte spontan: „Oder sollen wir vorher noch singen gehen?“ In kompletter Selbstüberschätzung nahmen wir am Sonntagnachmittag am „Händel’s Messiah Open Sing“ der Church of Ascension in Harlaching teil – eine Veranstaltung, die, wie uns der Dirigent in seiner Willkommensrede mitteilte, auf eine 38-jährige Tradition zurückblickt. Sehr ermutigend fand ich auch seine Aussage: „Some notes may not be quite right – but it doesn’t matter. You still will be part of an incredible creative spirit.“ Und so war es dann auch: Ich saß unter lauter wunderbar singenden und musizierenden Menschen, hatte zwar Noten und Text vor mir, die ich aber nicht lesen konnte (das gedämpfte Licht, meine Unkenntnis) und genoss es einfach, in diesen herrlichen Tönen baden zu dürfen. Und die wunderbaren Solisten und Solistinnen schenkten uns allen mit ihren Stimmen einen unvergesslichen Nachmittag. Vielleicht habt ihr Lust bekommen, auch (mit) zu singen? Am 17. Dezember, um 14 Uhr, lädt die Church of Ascension in die Emmauskirche zum „Christmas Carol Sing“ ein. Es wurde geraten, frühzeitig zu kommen, da es wohl immer brechend voll wird. Leider bin ich an dem Tag auf einer anderen Adventsfeier, aber dieses Weihnachtsliedersingen merke ich mir für nächstes Jahr vor.

 

Gebrannte-Mandeln-Eldorado

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Kirmesveranstaltungen galten in meiner Heimatstadt als die Highlights des Jahres. Als Kinder waren wir an den Karussells, Losbuden, Liebesäpfeln und Gebrannten Mandeln interessiert, als Jugendliche an angesagten Fahrgeschäften wie der Raupe (mit Verdeck ganz zum Schluss und in der Sitzreihe … Weiterlesen

Besuchsreihe: Unbekannte Orte 2

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Wenn ich durch den lauschigen Hofgarten flaniere, blicke ich gerne auf die Brunnen, die munter vor sich hinplätschern. Woher das Wasser für sie kommt, habe ich mich noch nie gefragt. Ich wusste nur, irgendwann in der kälteren Jahrezeit wird es … Weiterlesen

Bairisch mit dem MVV

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Oft sind es ja die kleinen Dinge, die mich unglaublich erfreuen: So hatte ich während der Wiesn-Zeit schon sehr viel Spaß an der MVG (= Münchner Verkehrsgesellschaft)-Fahrplaninfo-App. Sie zeigte bei der Suche nicht das übliche Warterädchen, sondern abwechselnd eine Brezn, … Weiterlesen

Da bahnt sich was an …

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Gestern an der Theresienwiese, Testlauf der Achterbahn mit quietschlauten Bremsmanövern und vielen interessierten Zuschauern. Arbeitsames Gewusel auf dem gesamten, rundum eingezäunten Gelände. Es wird geschraubt, gehämmert, Elektrik verlegt, was das Zeug hält. Essensgerüche, ich schätze mal Ente mit Rothkohl, hängen … Weiterlesen

Besuchsreihe: Unbekannte Orte

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Es gibt fast nichts, was mich mehr entzückt, als im Bekannten das Unbekannte zu entdecken. Und so machte ich mich am Sonntag mit einem Freund auf ins Münchner Hackenviertel, wo, wie ich gehört hatte, ein besonderes Museum im Verborgenen blühen … Weiterlesen