Betreutes Gruseln

Nach dem Bremer „Tatort“-Krimi vom Sonntag bin ich bestens auf Halloween eingestimmt. Dachte ich. Heute morgen informierte mich eine Zeitungsmeldung noch darüber, dass an diesem Tag, an dem der Schleier zwischen der dies- und jenseitigen Welt sich lüftet, mehr Menschen in den frühen Abendstunden von Autos überfahren werden als sonst. Und war da nicht mal was mit Grusel-Clowns? Letztes Jahr stand eine Horde von Monster-Kids vor meiner Haustür und drohte mir Saures an, wenn ich nichts Süßes rausrückte! Ich machte auf die Mitleidstour und gestand zerknirscht, aber freimütig, oh je, ich hätte gar nichts zum Schlickern. Die kleinen Ungeheuer waren sehr verständnisvoll und zogen ab, ohne mich zu verhauen. Dieses Jahr bin ich besser vorbereitet und habe einen Sack Kaubonbons in petto. Die sauren Cola-Fläschchen hat gestern Abend eine Naschkatze schon nahezu vertilgt. (Moment, muss mal kurz aufstehen und … mmmh, klasche!)
Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, war die Botschaft, die sich heute in meinem Briefkasten befand. Eine Mutter aus unserem Stadtviertel, die ihrer Tochter eine Freude machen will, warnt die liebe Nachbarschaft für heute Abend vor und bittet darum, etwas anzubieten. Gerne auch nur EIN Bonbon! Ach ja, und sie erlaubt uns auch, so zu tun, als würden wir uns kräftig gruseln. Na, DAS wird ein Spaß – und so völlig spontan! Ich habe schon total Lampenfieber. An vernünftiges Arbeiten ist jetzt nicht mehr zu denken. seit Stunden studiere ich mit den anderen Mietern hier im Haus unseren Auftritt ein: Türen aufreißen, geschockt schauen, schlottern, ängstlich zurückweichen, die Arme schützend vors Gesicht halten – wir feilen besonders an der Authentizität unserer Performance und versuchen das Ganze nicht so sehr nach Ballett aussehen zu lassen. Natürlich möchten wir gerne Nachbarschaftshilfe leisten, bisher wurde unser Potenzial in dieser Richtung ja noch gar nicht voll ausgeschöpft.
Aber jetzt mal ernsthaft, wenn es sich um ein kleines Mädchen handelt, spiele ich da natürlich gerne mit. Sollte jedoch ein mürrischer Teenager an der Hand seiner Helikopter-Mutter hier aufkreuzen, erlaube ich mir schamlos zurückzugruseln: mit entsprechender Maske, meinem brandneuen Tattoo (Ärmel hochkrempel) und dem nervenzerfetzendsten Track von Apocalyptica, den ich finden kann: in Horror-Lautstärke!

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