Die Apostrophierung des Anzapfens

Als Korrekturleserin habe ich’s auch nicht leicht. Zwar komme ich thematisch viel rum, lese mir gepflegtes Halbwissen an, muss mich aber auch mit Fragen beschäftigen, an die ich zuvor noch nie einen Gedanken verschwendet habe. Und bei denen Duden nicht weiterhilft: Heißt es z.B. „AGBs“ oder „AGB“? (Beim Recherchieren stieß ich auf jemanden, der für „AGBs“ plädierte, denn schließlich könnte „AGB“ ja eine EINZIGE Geschäftsbedingung meinen – wie die wohl lauten würde …) Nun wurde ich kürzlich gefragt, ob man nach einer Anrede „o’zapft is!“ oder „O’zapft is!“ schreibt. Die visuelle Abteilung meines Hirns war für „O’zapft is!“, rebellierte aber gleichzeitig. Und tatsächlich: In keinem meiner Bairisch-Wörterbücher kommt in dieser Wendung ein Apostroph vor! Doch egal wohin ich derzeit schaue, es apostrophiert vorwiesnfieberhaft. Zwar gab ich meinem Kunden die Empfehlung, das den Apostroph wegzulassen, kam mir dabei aber vor wie eine Mutter, die ihrem Sohn Pullunder, Stoffhose und Hemd mit Krawatte verordnet, obwohl alle, die wirklich hip sind, Schlabber-T-Shirt und coole Bollerjeans tragen. Vielleicht hat es ja eine Bairisch-Rechtschreibreform gegeben, die an mir vorbeigegangen ist. Demnächst lese ich auf einer Packung im Kühlregel womöglich „O’batzda“. Und dieser Trend schwappt dann sinnentleert ins Hochdeutsche rüber, ich sehe schon „O’ma“, „O’fen“ und „o’der“ auf uns zurollen. Wo kommt dieses dieser Apostroph her? Was will es er? Was soll es er? Muss das? Ich weiß es nicht, hoffe aber, dass nach dem traditionellen Startschuss – ob nun mit oder ohne Apostroph – das Bier wie immer einfach läuft.

11 Gedanken zu “Die Apostrophierung des Anzapfens

  1. Ohhhhhh, so offen können die Türen gar nicht sein, wie Sie da durchrennen!
    Ich HASSE diese Apostrophe!!!! Neulich habe ich gelesen: Zwiebel’n. Ehrlich.

  2. Ich meine, das Apostroph kommt dann ins Spiel, sobald Buchstaben weggelassen werden. Sozusagen als Platzhalter. Im Hochdeutschen würde o’zapft ja “angezapft” heißen (wenn mich nicht alles täuscht). Es mutet zwar komisch an, aber vielleicht haben die Bayern dieses Apostroph aus dem Hochdeutschen übernommen. 😉
    Ich habe nichts gegen Apostrophe, aber nur wenn sie am richtigen Ort sitzen. “Hab’ einen schönen Tag usw.”
    Ist es im Englischen üblich, eine Kneipe “John’s Pub” zu nennen, fällt gleiche Schreibweise im Deutschen eindeutig in die Kategorie Deppenapostroph. Es sei denn der Name des Pubinhabers endet auf einen Zischlaut. 😉 Dann ist das Apostroph hinter dem Namen richtig.
    Mein einem zünftigen “O’zapft is!” endet mein Wort zum Sonntag. 😀

    • Ach, Sprache ist doch ein weites Feld und es gibt sicher für alles eine Erklärung. Was deine Theorie angeht: Ich vermute ja, dass eher Norddeutsche (wie ich) sich das Bairische “Ozapft” vorgenommen haben und, weil die Übersetzung “angezapft” ist, meinten, die Lücke füllen zu müssen. Jetzt stellt sich die Frage, IST da im Bairischen eine Lücke? Langsam muss ein Dialektkundiger ran 😀

  3. Es heißt natürlich “ozapft” ohne Apostroph. Und Apostroph war auch schon immer maskulin, also “der Apostroph”. Bin Mitglied beim Bund Bairische Sprache e.V.

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