Ein Bund fürs Leben

Wart ihr schon einmal auf einer Hochzeitsfeier, bei der ihr das Gefühl hattet, das Brautpaar macht aus seinem Ehrentag ein Geschenk für alle seine Gäste? Wir durften am Pfingstsamstag bei einem solchen Fest dabei sein. Das Paar, engagierte Bergwachtler und Paddelfreunde, heirateten nach der standesamtlichen Trauung noch kirchlich unter freiem Himmel – auf der grünen Wiese mit Blick auf die Berge bei strahlendem Sonnenschein auf dem Archehof Schlickenrieder. Zur Hochzeitszeremonie auf dem mit liebevollen Details ausgestatteten Aussiedlerhof fuhren die Brautleute in der wohl schönsten Hochzeitskutsche der Welt, an der später auch die Kinder jede Menge Spaß hatten und mit ihr auf dem Hof herumrasten. Nach dem Ja-Wort stärkten wir uns alle mit Kaffee und vielen verschiedenen, von den Gästen gebackenen Kuchen (darunter ein ganz besonderer!) und ließen nach dem Gruppenfoto Luftballons steigen.

Dann ging es mit Georg Schlickenrieder, genannt Gedschi, auf die Weide. Er führt auch regelmäßig Schulklassen und klärt Stadtkinder darüber auf, dass Kühe nicht lila sind und die Milch nicht kühlschrankkalt aus dem Euter kommt. Wir lernten, dass Gelber Hahnenfuß, die Butterblume, von den Kühen geschmäht wird, weil er giftig ist, es nicht lohnt Sauerampfer rauszurupfen, weil er seinen Samen schön im Boden verteilt hat, und Kuhfladen Gras und Klee in verdauter, umgewandelter Form sind und wieder zu Erde werden – wenn die Kühe denn Gras und Klee gefressen haben und sich auf der Weide aufhalten dürfen. Auf dem Archehof dürfen sie, und sie entscheiden selbst, wann sie rausgehen, jedenfalls von Mai bis November. Während wir so auf der Weide standen, wurde mir bewusst, dass wir auf der Weide standen, es Mai war und am Horizont ein paar Kühe auf uns zutrotteten.
Georg Schlickenrieder, die Ruhe selbst, gab uns ein paar Tipps im Umgang mit Kühen: Die Tiere wollen begrüßt werden. Dazu streckt man ihnen die Hand hin. Wenn sie Kontakt aufnehmen wollen, schlecken sie dir die Finger (nicht erschrecken, die Zunge fühlt sich an wie Schmirgelpapier), die nachher ziemlich feucht, aber nicht schleimig sind. Einer Kuh darf man nicht die Stirn streicheln, sie empfindet das als Angriffsgeste! Eigentlich logisch, wenn man sich mal überlegt, wie Stiere miteinander kämpfen. Nie wegrennen, die Kuh ist immer schneller. Ich muss sagen, mir war ein wenig mulmig, als die Kühe näher kamen. Fast war ich froh, in einer großen Gruppe zu verschwinden – aber Kühe sind neugierig und schleichen sich an dich ran. Ein Stups von hinten, du drehst dich um. Die Kuh sieht dich an, du blickst auf ihre Hörner. Kein Zaun trennt euch. Du streckst die Hand aus, eine große graue Zunge fährt über deinen Handteller und schwupp, die Kuh zieht weiter. Und wir auch, über die Kuhweide zu den frei herumlaufenden Hühnern. Sie fangen übrigens auch Fliegen, was auf einem so großen Hof von Vorteil ist. Georg Schlickenrieder fragte uns, wie er auch immer die Schüler fragt, wie viele Eier ein Huhn im Jahr legt: Die Antworten reichen von 500 bis 2000 (wir sind massentierhaltungsgeschädigt!). Es sind rund 200. Ein paar raubt auf dem Archehof der Fuchs, wenn er sich nicht gleich ein paar Hühner nimmt, oder der Marder. Während es vorbei an den Laufställen der Rinder und Kälber zur abendlichen Festtafel ging, erwähnte Georg Schlickenrieder, dass bei Hochzeitsfeiern das Brautpaar traditionell ein Schwein in den Stall jagen muss. Bei unserer Feier entfiel dieser Punkt, da Traudl, das Schwein, das diesen Spaß sonst gerne mitmacht, anderweitig beschäftigt war. Seht selbst!

Gern gelesen? Dann lassts doch ein Diridari da. Merci!

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