Rund um München per Dampfross

Lautes Tuten und riesige Rauchschwaden: Kurz vor Weihnachten ist auf den Gleisen rund um München die „Weihnachtslok“, ein historischer Dampfzug des Bayerischen Eisenbahnmuseums e.V. Nördlingen, unterwegs. Am dritten Advent fuhren Freunde und ich mal für ein Stündchen mit. Es war eine wahre Zeitreise, die auf Gleis 13 am Ostbahnhof begann. (13 ½ hätte mir natürlich noch besser gefallen.) Allein der Blick auf das riesige Ungetüm von Lok versetzt bereits in die Vergangenheit. Zum Heizen wird noch Kohle geschaufelt und wer genau hinsieht, entdeckt den Funkenregen im Feuerkasten. Die Lokführerin muss sich, um die Strecke sehen zu können, weit aus dem offenen Seitenfenster lehnen. Wir stiegen in einen der letzten Waggons, Holzklasse. Es war alles ziemlich spartanisch, die Sitzbänke hart, aber gar nicht mal so unbequem. Nur die Beinfreiheit war etwas eingeschränkt. Zunächst führte die Reise Richtung Johanniskirchen, gen Unterföhring, um dann hinterm Olympiazentrum über Moosach, vorbei an der Schlossmauer von Nymphenburg Laim zu kreuzen. Von dort führte der Weg über die Lindwurmstraße und die Isar zurück zum Ostbahnhof.


Im Abteil, wir entdeckten auch noch die Erste Klasse mit kunststoffbezogenen Sitzen, war’s zwar recht lauschig, aber zum richtigen Abenteuer wurde die Fahrt auf den Podesten zwischen den einzelnen Waggons. Der Wind fährt einem durchs Haar, dicke, dunkle Wolken erzählen von der eifrigen Arbeit des Heizers vorne, und dann der Kick, wenn es plötzlich – ohne jegliche Beleuchtung – durch einen Tunnel geht: Es war so finster, dass ich weder meine Mitreisenden noch meine eigene Hand vor Augen sehen konnte, und zwar minutenlang. Sehr schön auch der Blick aus der Nostalgiebahn auf den modernen, auf einmal unglaublich glatt und schnittig wirkenden ICE. Und auch die Kombination Holzklasseabteilfenster und Olympiaturm überrascht. Aus Umweltschutzgründen bin ich sehr für die Elektrifizierung der Eisenbahn, Kohle verpestet die Luft ziemlich. Doch dieses ganz eigene Reisegefühl von damals hat was. So war mein erster Gedanke bei Ankunft am Ostbahnhof: „Nochmal!“

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