Im Schlendergang

Jodelwandern in der Partnachklamm, ein Ausflug nach Augsburg, eine Radtour zum Weßlinger See – all das habe ich nicht gemacht, aus reiner Feigheit vor dem Wetter. Oder vielmehr der Wettervorhersage am jeweiligen Tag. So verunsichert in meiner Entscheidungsfreude und Entschlusskraft wie in diesem Sommer war ich, zumindest glaube ich das, noch nie. Was aber immer geht, sind lange Spaziergänge entlang der Isar, Besuche des Botanischen Gartens (diesmal ein Sommer MIT Dahlien) oder einfach durch die Stadt zu schlendern. München wird ja nie langweilig. Mein gestriges Ziel war, mein erstes und womöglich letztes Eis der Saison im Kunstareal zu essen. Bei den Sorten wählte ich etwas Wärmendes (Ingwer-Schokolade) und etwas Erfrischendes (Zitrone-Basilikum) – bei diesem Flexi-Klima weiß ich ja nie, ob ich in den nächsten Minuten frieren oder schwitzen werde. Rund um die Pinakotheken waren mir vor ein paar Wochen schon die bunten Strohballen aufgefallen. Die wollte ich mit der Kamera mal genauer unter die Lupe nehmen. Sie sind prima Lümmelsofas und eine wirklich nette Idee, Plastikmüll (hier: „Stroh“halme) zu verwerten. Schöne Webarbeiten können ebenfalls damit gestaltet werden: Das könnte eine Alternative zum Guerilla-Knitting werden. Interessanterweise sah die Fassade des Brandhorst Museums plötzlich auch ziemlich strohhalmig aus!


Der Jugendstil in München war ein anderes Thema, das mich nach einer Meldung in der tz interessierte. Vor allem das spektakulär wirkende „Hofatelier Elvira“, das aufgrund eines Wandelements auch „Drachenburg“ genannt wurde. Die Geschichte dazu – erstes Frauenunternehmen in Deutschland – fand ich zu und zu schön. Und fragte mich, warum mir dieses Haus noch nie aufgefallen war. Tja, manchmal sollte ich beim Recherchieren gründlicher lesen! Zwar hatte ich mich schon ein wenig gewundert, warum Google-Maps mir Von-der-Tann-Straße 15 partout nicht anzeigen wollte. Ein Teil von mir hoffte, das Gebäude läge in einem Hinterhof. Live vor Ort angekommen, stand ich dann vor der Amerikanischen Botschaft. Das andere, untergründig nagende Gefühl wurde zur Gewissheit: Salon Elvira ist im Krieg beschädigt, später abgerissen und überbaut worden. Dankenswerterweise weist zumindest ein Schild der KulturGeschichtsPfade an einem Laternenmast auf den ehemaligen Standort des Fotoateliers hin. Mein Nachhauseweg führte durch Hofgarten und Innenstadt, vorbei an Diana, Mercedes, Löwen und einem meiner Lieblingsladenschilder. Wie gesagt: langweilig ist München nie.

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