Und wenn morgen …

… wieder mehr Atomwaffen in Europa stationiert werden, so würde ich doch heute das Volksbegehren für Artenvielfalt unterschreiben. So geht Prinzip Hoffnung 2019, denke ich, während ich – als Mensch offensichtlich selbst eine bedrohte Art – vorletzten Samstag auf dem Marienplatz in der langen, aber unfassbar gut organisierten „Rettet die Bienen“-Schlange stehe. Platzordnerinnen haben Handybesitzer gebeten, die Zeit bis zur Unterschrift zu messen. Die geben brav Rapport: „8 Minuten!“, und tatsächlich stehe ich schon bald in Schaltersichtweite, wo eine weitere Dame alle fragt, ob sie ihren Ausweis dabei und am besten schon gezückt haben. Am meisten hat mir die Schalter-Takterin gefallen. Fast wie bei einer Auktion rief sie jedem in der Reihe eine Nummer zu: „Schalter eins, Schalter fünf, Schalter neun, Schalter sieben“ … sie hatte voll den Überblick und zack, zack, rückten wir voran – alles lief wie am Schnürchen. Wieder im Freien rekapitulierte ich noch mal meine Zweifel im Vorfeld in Sachen Volksbegehren: Kann ich da ruhigen Gewissens unterschreiben? Haben die Bauern nicht doch recht, wenn sie sagen, ein Gesetz bringt gar nichts, sie würden ja freiwillig schon viel leisten und wieder mehr Wildblumen- und Grünstreifen anlegen und nicht sie allein könnten die Schuld am Artensterben tragen. Mir persönlich geht es nicht darum, ob jemand Schuld hat. Der Mensch schmutzt ja immer, da kann er sich noch so zurücknehmen und evtl. unbewusst an seinem eigenen Aussterben arbeiten. Mir geht es darum, ein Zeichen zu setzen: Ich hatte irgendwann vor Weihnachten auf arte eine Sendung über das Insektensterben in Deutschland gesehen und fand es empörend, was für Trampel wir Menschen sind und wie ungern wir offensichtlich Lebensraum mit anderen Wesen teilen. Und mir schien es eine weitere Nuance in der langen Reihe von Aktionen, und zwar auf sehr vielen Ebenen, die Vielfalt zu dezimieren – also das, was die Schönheit unseres Planeten eigentlich ausmacht und was wir uns so furchtbar gerne im Fernsehen in Naturfilmen anschauen.

Gleichmacherei mag der Mensch auch bei seiner eigenen Art gerne, oder warum sonst greift der Optimierungswahn so um sich, das total Durchgetaktete? Halten wir uns für unperfekte Maschinen? Und dann der Hype um die NICHT stromlinienförmig Funktionierenden – ich finde es nur noch seltsam. Aber neu ist das nicht, sondern anscheinend der alte, immer wieder neue Lauf der Welt, die Geschichte, Romane und Filme erzählen seit Jahrzehnten davon. An manchen Tagen sage ich mir, das Umwälzungen immer mit Chaos einhergehen, nur dann wird uns bewusst, das Althergebrachtes nicht mehr trägt. Und auch manche Begriffe nicht mehr denselben Inhalt haben. Der Begriff Bauer kann ja heute einen Bio-Bauern meinen, der umweltverträglich und im Rhythmus mit der Natur arbeitet und z.B. bereits den Humus als Lebenswelt von Mikroorganismen wertschätzt und sorgsam behandelt. Das Wort Bauer kann aber auch einen Unternehmer meinen, der nahezu fabrikmäßig Nahrungsmittel herstellt, die wegen Überproduktion nachher wieder vernichtet werden, oder der komplett auf Pflanzen für Biodiesel setzt. Das Ganze ist inzwischen so komplex, dass ich als Verbraucherin gar nicht mehr wirklich durchblicke oder mich damit befassen kann, weil ich ja auch noch anderes zu tun habe. Ich kann nur so in etwa und gelegentlich kundtun, was ich möchte und nicht möchte – aber ob das was bringt, ist die Frage. Wäre mehr Maßhalten in allem hilfreich? Erst denken, dann handeln? Und immer wieder neu denken und die Handlungen entsprechend anpassen? Verfeinerung in vielen Bereichen statt großer Entwürfe? Brauchen wir mehr Vernetzung für diese und viele weitere Dinge des Lebens, mehr Gespräche, mehr Austausch über unsere eigenen Denkkreise hinweg? Und könnte ich das? Zumindest für mehr Wildwuchs könnte ich sorgen, auf der Wiese vor dem Haus, Bienenpflanzen auf Balkonen, Terrassen, Vorgärten. Klein, klein, statt groß groß, ja das ginge vielleicht. Und wenn morgen wieder mehr Atomwaffen in Europa stationiert werden, könnte ich Samenkugeln guerillamäßig werfen … Nach mir das Blütenmeer.

Kastanienblüte im Hofgarten

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Es gibt Momente, da stehe ich einfach und staune. Wie gestern im Hofgarten beim Anblick einer Reihe rotblühender Kastanien. Dann begann ich zu fotografieren und fragte mich gleichzeitig, warum es in Bayern eigentlich kein Kastanienblütenfest gibt, ein „Boarisch Hanami“ oder … Weiterlesen

Frischer Wind im Botanischen Garten

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Frühjahr und Spätsommer sind für mich die schönste Zeit, um im Münchner Botanischen Garten zu lustwandeln. Ich mag beides: die neu aufbrechende Kraft und Frische und die Üppigkeit kurz vor dem langsamen Vergehen. Bei schönstem Sonnenschein, aber recht frischem Wind, … Weiterlesen

Der Sommer ohne Dahlien

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„Abgesäbelt, schon Ende September – Sie sind zu spät“, sagt die Frau, die wie ich auf Foto-Safari im Botanischen Garten ist. Ich stehe etwas ratlos vor den kahlen Rabatten, in denen sich sonst eine wahre Dahlien-Pracht erhebt. Und denke: Ich … Weiterlesen